Wir glauben, was wir glauben wollen, …, denn wir sind Laien …

…und fröhlich geht es in die neue Runde die da heißt: „Geld in’s Wasser schmeißen“.
Kommt es so, oder nehmen die Damen und Herren Stadtvertreter ihre Verantwortung wahr und schieben einem untauglichen und höchstgradig fehlerbehaftetem „Konzept“ namens „Test-Buhnenfelder“ kein weiteres Geld mehr hinterher?

An dieser Stelle liegt mir daran, ein persönliches Wort an unsere von den Bürgern gewählten Stadtvertreter zu richten: Ich stelle grundsätzlich nicht in Abrede, dass Sie der Überzeugung sind in Ihrem Ehrenamt aus guten Absichten heraus Zeit und Nerven einsetzen. Und ja, letztere habe ich in etlichen der vergangenen Ausschuss- und Parlamentssitzungen im Rahmen der jeweiligen Bürgerfragestunde arg strapaziert.
Die gestellten Fragen bereite ich in dieser Webseite weiter auf und stelle darüber den größeren Gesamtzusammenhang dar.
Was ich herausarbeiten will und aufzeigen werde ist, dass Sie als Repräsentanten des (vermuteten) Willens der Sie wählenden Bevölkerung in eine Defensive geraten sind, die Ihnen vielleicht nicht klar bewusst ist, doch mindestens den Spaß am Ehrenamt nimmt. Ich habe den frustrierten Ausspruch des Ersten Stadtrates Herrn Karschnick schon vor Monaten in diese Richtung nicht überhört. Und nicht ohne Grund habe ich am Montag, den 25. September 2017, den Vorwurf der Lüge seitens des Bürgervorstehers Grönwald in meine Richtung im Zuge des aufgerissenen Wortgefechtes entschieden zurückgewiesen und mit den Worten: „Herr Bürgervorsteher, Sie nehmen Ihre Aufgabe nicht wahr. Treten Sie zurück!“ einen nötigen Schritt zur Gesundung der diese Gemeinde steuernden Struktur eingefordert.

Es liegt in der Verantwortung des Bürgervorstehers, welche Themen auf die Tagesordnung des Stadtparlamentes kommen, und welche Qualität die Sitzungs- und Beschlussvorlagen haben. Und wenn da so ein unausgegorener Schrott  –anders kann man das nicht bezeichnen–  wie jüngst zum Thema „Museumshafen“ zur Abstimmung gestellt wird, dann sind an Zahl und Tiefe folgende Konflikte zwischen übergangener, ja in Teilen richtig abgehängter Amtsverwaltung, einer sachlich und fachlich überforderten Parallelstruktur namens HVB, deren Geschäftsführer zu rechtlich haltlosem Handeln in der Lage sind bis dahin dass Fragen aus den Reihen der Stadtvertreter wissentlich unwahr beantwortet werden und das Parlament sich damit dann auch selbstgenügsam abspeisen lässt, geradezu zwangsläufig. Nicht zu vergessen, dass die Bürger selbst irgendwann davon genug haben. So geht es mir, vielleicht auch anderen, und deshalb folgt dazu mehr…

Ein konkretes Beispiel für strukturelles Versagen der Entscheidungsprozesse steht schon morgen zur Entscheidung an: Jetzt Donnerstag, den 12. Oktober 2017, tagt  nach einer durchaus mit reichlich Stoff verbundenen Sitzungsperiode kurzfristig einberufen erneut das Stadtparlament.
Sie, hoffentlich am Umgang mit Ihren Steuergeldern interessierte Leser dieser Webseite, können und sollten die laufenden Entscheidungen aufmerksam begleiten: Gehen Sie auf die Webseiten der Stadt Heiligenhafen, klicken Sie in der Navigation links auf „Stadtverwaltung & Politik“, in der neu erscheinenden Navigation links auf „Politik“ und darunter im Sub-Menü auf „Sitzungstermine“. Sie landen dort: http://www.heiligenhafen.de/stadtverwaltung-politik/politik/sitzungstermine.html
Ein >>Klick<< auf die Schaltfläche „[Suchen]“, und schon sehen Sie eine Auflistung der aktuell anstehenden Sitzungstermine. Konkret nun die Sitzung der Stadtvertretung, in der es um die Beseitigung der Hochwasserschäden aus der Starkwindnacht mit Stau-Hochwasser vom 04. auf den 05. Januar 2017 gehen soll. Oder geht es um eine neuerliche Sandaufspülung, um das Versagen des Buhnenprojektes aus dem vergangenen Jahr zu kaschieren?
[Die Sitzungsvorlagen finden Sie verlinkt rechts jeweils unter dem kleinen Info-Button.]

Wir kommen nicht darum herum, hier eine Differenzierung zu fordern: Um was genau geht es?
Ohne Frage sind Schäden an den sogenannten Fußpfahlreihen im Bereich des Uferdeckwerkes am Seepark zwischen der „Hensen“-Buhne bis zur Skulptur „Mann im Sturm“ und weiter entstanden. Wenn die nicht beseitigt werden, dürfte bei der nächsten gravierenden Belastung dort die Promenade unterspült werden und einbrechen, was die Standsicherheit des Deiches antastet und erhebliche Folgekosten nach sich zieht. Fraglos ist ebenfalls die Substanz des Strandwalls östlich der Neuen Seebrücke bis nahe an das früher der Sportjugend des Landes Berlin gehörende Grundstück arg geschwächt worden:
Östliches Testbuhnenfeld, kein Schutz des Strandwalls bei HW
Im Falle einer echten Sturmflut, dann also mit Wind permanent von 8 Windstärken und auch deutlich mehr aus Nordwesten oder Nordost, nicht wie im Januar 2017 aus Nord senkrecht zur hiesigen Küste mit aus dem Langelandsbelt von Norden anströmenden und sich aufstauenden Wassermassen, im Resultat dann mit deutlicher Strömung über die Strände hinweg, besteht ernsthaft die Gefahr eines Durchbruches der Ostsee direkt bis in die Fahrrinne, also der Zufahrt zu den Häfen der HVB, die zuvor bald ein Zweidrittel-Jahrtausend im unmittelbaren Eigentum der Stadt Heiligenhafen standen.

Das sind tatsächlich ernste Schäden, die behoben werden müssen!

Aber: Was soll die erneute Aufspülung von Seesand bewirken, wo doch schon Anfang des Jahres 2016 mit LKW 16.000 Kubikmeter Sand, und im Oktober 2016 weitere 44.000 Kubikmeter „Dänemark“- Seesand an die Badestrände verfrachtet wurden, die tatsächlich schon vor dem Starkwindereignis mit Stauhochwasser in der Nacht vom 4. auf den 5. Januar 2017 in wesentlichen Teilen wieder ins Meer gezogen und nur durch wettertechnisch glückliche Umstände noch nicht vollends durch die Strömung bis an die Warderspitze abtransportiert waren? Die Testbuhnenfelder haben daran keinerlei positiven Einfluss gehabt. Höchstens die geschlossen gerammten, landseitigen Anfangsbereiche der Pfahlreihen zeigten durch Stillwasser-Staubereiche nach Stromluv eine stabilisierende Wirkung. Das ist nicht Meinung, sondern lässt sich klar sowohl hydromechanisch wie auch in der Analyse der Ist-Zustände vor Ort nachweisen. Es braucht bloss offene Augen, und nicht durch vorgefasste ErwartungshaltungEs gibt keine nachhaltige Lösung ohne ganzheitliches Denken verbogenes Denken.
[Vorstehendes Bild beschreibt übrigens die Szene, aus der kurz darauf bei Facebook in der sogenannten „Heiligenhafen-Gruppe“ ein scheinbar beweisendes Bild gepostet wurde. Ohne auf das Umfeld einzugehen oder die Gesamtsituation zu beschreiben, wurde stolz vom Funktionieren der Buhnen gesprochen. Weil überhaupt eine dünne Schicht Sand gesichtet wurde, der auf der „festen Sohle“ des dortigen Seebodens aufgelagert war.]

Besondere Wetter- und Wasserstandslagen lassen sich bekanntlich nicht an bestehende Terminkalender anpassen. So war am 13.09.2017 absehbar, dass am Morgen des 14.09.2017 die Flachwasserbereiche vor den Stränden trocken fallen und ein jeder sich selbst ein Bild davon machen konnte, was genau denn da im Wasser so los ist.
Als ich davon am Ende des tagenden „Ausschuß für gesellschaftliche Angelegenheiten“ im Sitzungssaal mit ausdrücklichem Hinweis, dass es nicht in die Sitzung gehört und auch nicht ins Protokoll, darauf hinweisen wollte (die Sitzung wurde anders als in anderen Gremien in entspannter kommunikativer Offenheit geführt und hob sich somit positiv heraus), war der Tenor der Sitzungsteilnehmer etwa so: „Ja, ja, Herr Boldt, dann gehen Sie man gucken…“. Verständlich in der kurzen Sicht, demnach meine Bürgerfragen nicht wohl gelitten sind. Allerdings: Die letzte Gelegenheit davor, so einen niedrigen Wasserstand zur Begutachtung der Verhältnisse zu nutzen, war im Dezember 2015. Kurz bevor die SPD mit ihrer Kandidatin Frau S. in die Bürgermeisterwahl einstieg, konnte ich mich recht spontan mit dem jüngst sein Mandat niederlegenden Stadtverordneten und (u.a.) Vorsitzenden des Stadtentwicklungsausschuß‘  Herrn Dr. Siebel verabreden, um gemeinsam den Strand bei Niedrigwasser von der Seeseite aus zu inspizieren. Es wäre bestimmt hilfreich für weitere intelligente Entscheidungen in Sachen der Strände vor unserer Stadt gewesen. Leider folgte eine kurzfristige Absage. War ich da schon „politischer Gegner“, mit dem man sich aus Loyalität zur eigenen Partei und Kandidatin nicht mehr zeigen darf?

Was ich mit vorstehendem sagen will: Es geht doch nicht um persönliches Rechthaben und die Verteidigung von Meinungen! Wir müssen darum ringen, gute und nachhaltige Wege zu finden. Dazu gehört, sich zu öffnen und auch mal dem zuzuhören, den man vielleicht überhaupt nicht (mehr) leiden kann. [Beweise zu fordern, noch dazu aus dem Stand, und selbige aber gar nicht annehmen zu wollen, …, ähhh, so aber auch nicht!]

Offensichtlich steht es so zwischen dem Bürgervorsteher und dem Bürgermeister, was sich unbedingt ändern muss. (Diese Bemerkung hier gleichwohl nur am Rande…)

Aber welche Konsequenz mag die Sitzung am Donnerstag nun haben?
Der Bürgermeister hat öffentliche Mittel eingeworben. Unser aller Geld, verantwortet von einer anderen Ebene. Ist das ein „Erfolg“? Ich denke, aus Sicht des Bürgermeisters: „Ja“.
Schließlich wird dieses Organ im Sinne der Kommunalverfassung von der Bevölkerung als die zentrale Figur des Geschehens in der Stadt gesehen. Das verwundert auch nicht, weil die politisch leitende Kraft, repräsentiert durch den Bürgervorsteher als Kopf der Gemeindevertretung, nicht als zweiter stabiler und aktiver Dreh- und Angelpunkt wahrgenommen wird, der dem ausführenden und verantwortlichen Leiter der Verwaltung gute Aufgaben, unterlegt durch kompetente Entscheidungen des Parlamentes, mit auf den Weg gibt. Also handelt der Bürgermeister selbstinitiativ, um der öffentlichen Erwartung nachzukommen. Was verständlich ist, und  –so meine Wahrnehmung seit nun längerem schon–  die Stadtvertreter dazu bringt, den als zu präsent erlebten Bürgermeister durch zunehmende Verlagerung der Handlungsvorgaben auf den stadteigenen, sich längst als eigenständige „privatwirtschaftliche“ Unternehmung verstehenden Betrieb „HVB-KG“ einzugrenzen. Das ist allerdings nicht im Sinne des Gesetzgebers, denn der Bürgermeister ist Dienstherr in allen ausführenden Gliederungen der Gemeindeverwaltung, und deshalb ja auch gegenüber dem Stadtparlament in allen Angelegenheiten berichtspflichtig.

Das Projekt der Strandverbesserungen durch Test-Buhnenfelder und massive Sandaufspülungen zuletzt Ende 2016 wurde von der HVB verantwortet und in die Hände von „Experten“ gegeben, die praktische Expertise offensichtlich gar nicht haben — wie ein jeder unschwer hätte feststellen können und müssen, der sich das zugrunde liegende Konzept nur einmal durchgelesen hätte und was unschwer zu beweisen ist:
Bildvergleich 18-12-2015 mit 12-12-2016

So, und nun sollen die Stadtvertreter ganz schnell entscheiden:
Folgen sie der Beschlussvorlage, wird eine Auftragsvergabe in Höhe von 525.000 EUR ausgelöst, begleitet noch von 40.000 EUR Honorar für Ingenieurleistungen. Weil der Höchstbetrag der Zuwendungen der Investitionsbank des Landes Schleswig-Holstein ausweislich der Sitzungsvorlage 216.000 EUR beträgt, ergeben sich aus dem Haushalt der Stadt Heiligenhafen darzustellende Mittel von fast 350.000 EUR!

Was gibt es dafür? Im wesentlichen eine Menge Sand, die mit einem einzigen und über die Winterzeit sehr wahrscheinlichen Sturm oder auch nur wenigen höheren Wasserständen bei reichlich Brise verschwunden sein wird noch bevor die Saison 2018 nach einem tauglichen Badestrand ruft. So geschah es schon im Dezember 2016.

Zusammen mit den 618.000 EUR (siehe A – Sachverhalt / erster Absatz) aus städtischem Nachschuss in das von der HVB versägte Projekt „Elefantenbrücke“, den 400.000 EUR Bürgschaftslast für die Stadt in Hinblick auf den fragwürdigen (auch dazu wird reichlich Material hier noch online gestellt…) Museumshafen bzw. den dahinter stehenden, von der HVB selbst initiierten „Alibi-Verein“, und den zwar als Aktiva im Haushalt verbuchten Strandverbesserungsmaßnahmen aus 2016, die längst doch an der Warderspitze liegen und mittelfristig Ausbaggerungen dort erforderlich werden lassen, halte ich das nicht für erfolgreiche Parlamentsarbeit.
Dass es sehr wohl auch anders geht zeigte Frau SV Rübenkamp: Für die weiteren Stadtvertreter überraschend zauberte sie jüngst die Idee aus dem Hut, bei der Baumaßnahme „Spundwanderneuerung Südkaje“ im Kommunalhafen das Bauamt wieder einzubinden statt durch die HVB externes Wissen einkaufen zu lassen! Besser und vielleicht als glaubwürdiges Indiz für Ein- und Umkehr fände ich eine Beschlussfassung, die eine klare Beauftragung zur Beseitigung der greifbaren Schäden (s.o.) herbeiführt, doch neuerliche Sandaufspülungen ausklammert. Denn abgesehen von der sicher nur kúrzfristigen, rein kosmetischen Wirkung steht solches auch gegen das Projekt der Testbuhnenfelder, deren erhoffte Wirksamkeit
Zitat eines öffentlichen Statements vom 28-01.2017
durch ein begleitendes, fünfjähriges Monitoring untersucht werden soll.
Es ist doch kein „Erfolg“, wenn der hiesige Oberexperte und Buhnist den Verlust von 60.000 Kubikmetern Sand ausblendet und meint, der bei Niedrigwasser im östlichen Testfeld vorgefundene dünnschichtige, kleine Sandflecken würde die Wirksamkeit der „durchlässigen Holzbuhnen“ belegen.

Dem kann und darf das Stadtparlament nicht folgen, sondern es sollte die Fachleute des Landes wie auch die weiteren beratenden Ingenieure in die Pflicht nehmen, dem Ganzen einen wirklich profunden Unterbau zu verschaffen und die Planungsfehler ohne Belastung des Stadtkasse nachzubessern. Mindestens 10  –ZEHN–  grundsätzliche, gravierende wasserbauliche Fehler in dem 2016 umgesetzten Vorhaben am Strand sind nicht zu tolerieren. Dafür darf die städtische Kasse nicht weiter geplündert werden!
Und ja: Setzt der Bürgervorsteher dazu am Donnerstag nicht ein klares Signal im Interesse des Schutzes des gemeindlichen Vermögens der Heiligenhafener Einwohnerschaft, bleibt erneut zu fragen, ob er sein besoldetes Ehrenamt sachgerecht ausfüllt.

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Ein Kommentar zu “Wir glauben, was wir glauben wollen, …, denn wir sind Laien …

  1. Im hier kommentierten Artikel schreibe ich gegen Ende, dass es in dem Testbuhnen-Projekt eine Vielzahl gravierender Fehler gibt. Aus Sicht der Stadtvertreter dürfte solches Reden und Schreiben wieder nur eine meiner „Unterstellungen und Behauptungen“ (Zitat des Bürgervorstehers) sein, wie mir diverse Male im Sitzungssaal entgegen gehalten wurde. Nun denn, jetzt zeige ich exemplarisch nur einmal EINEN grundsätzlichen Fehler in dem Testbuhnen-Szenario auf, den ein jeder Bürger ohne Probleme leicht selbst auf den Wahrheitsgehalt hin prüfen kann. Wenn man denn will…

    Ausgangspunkt für die Pfahlreihenkonzepte ist die Hypothese, dass undurchlässige Sperrbauwerke Schuld sind an der als negativ empfundenen „Lee-Erosion“, die sich an der Rückseite von Steinmolen und dergleichen zeigt in Bezug auf die vorwiegenden Wind- und besonders Strömungsrichtungen, in denen der (selbstredend küstenparallele) Sedimenttransport seine Hauptursachen findet. Wir reden hier nicht von Gezeiten — deren Einfluss ist in der Ostsee zwar darstellbar, jedoch den Einflussgrößen aus Wind und Wetter untergeordnet.
    Das Auge insbesondere eines Druckers, der durch eine Lupe die normal betrachtet „gerade“ erscheinende Kontur eines Buchstabens oder dergleichen prüft, erblickt eine häßlich gezackte „Sägezahnlinie“. Der Trugschluss beginnt damit, etwas, das uns ähnlich erscheint, für kausal mit dem Ausgangsobjekt vergleichbar zu halten.
    Es scheint sich im Geschäftsmodell der Strandoptimierer verbreitet zu haben, mit einer solchen Schein-Analogie Verständnis und Zustimmung auf Seiten der zahlenden Auftraggeber zu erschleichen. „Des Kaisers neue Kleider“. Der Blick aus dem Erdorbit per Google-Earth-Satelliten liefert maßstäblich den gleichen Effekt wie der Blick durch die Lupe des Schriftsetzers. Dazu habe ich schon an anderer Stelle in dieser Webseite geschrieben. Möge dazu ein jeder seine eigenen Gedanken prüfen…

    Nun stelle ich als Ausgangsüberlegung dagegen, dass es eigentlich unwichtig ist, wenn auf der dem Sedimentzustrom abgewandten Seite nicht der Sand und Strand so ist, wie wir uns das so erträumen. Denn: Ohne die Steinmole als Strömungshindernis gäbe es auch auf der anderen Seite nichts. Also überhaupt keinen Strand, weder vor noch hinter dem Strombauwerk. Richtig?
    Also freuen wir uns einfach erst einmal darüber, dass vor großen Buhnen jedenfalls „Strand“ ist. So der Strand etwa vor dem Seepark von der „Hensen“-Buhne bis zum Strandrestaurant „Sunset“ ganz im Westen. Dieser Strand hat auch die Starkwind-Stauhochwasserlage Anfang Januar 2017 trotz heftiger Belastung durch echt hohe Wellen und Brandung und die aus dem Langelandsbelt bis dahin sich auswirkende Strömung locker weggesteckt. Und das ist schon seit Anfang der 1970er Jahre so, wird aber nicht zur Kenntnis genommen. Kein Wort dazu bislang von den diversen Experten.

    Im kleinerem Maßstab das gleiche auch vor dem einstigen „Berliner Ferienlager“: Die kleine Mole dort habe ich selbst noch mit einem Hydraulikbagger um 1985 wieder aufgesetzt. Zuvor ging das Wasser bis an die Fundamente des Gebäudes; seitdem ist die Ecke dort seit über 30 Jahren stabil. Das läßt sich von jedermann überprüfen:
    Seit über 30 Jahren eine stabile Situation, mit Sandstrand im Stauwasserbereich nach Westen
    Das Bild stammt vom 05. Dezember 2015.

    So, und was war etwa auf halber Strecke zwischen diesen beiden Stränden?
    Der einstige Hauptbadestrand! Von „Turm 5“ im Bereich der früheren Fischerrinne bis weit noch nach Westen an der DLRG-Hauptstation vorbei. Es gibt zahlreiche Fotos und auch Zeitzeugen, die zwei und dreireihig gebuddelte Sandburgen zeigen und erinnern. Die waren richtige Bauwerke, standen offensichtlich auch gut oberhalb des Wasserspiegels, denn wer hätte solche geschützten Mulden gegraben, wenn das Badehandtuch danach im Sickerwasser gelegen hätte? Richtig, niemand.
    Demnach war dort richtig viel Sand und Strand. Und warum war der dort? Weil dort die massive, bald 80 m über die jetzige Uferlinie hinaus reichende Steinmole der alten, längst versandeten „Fischerrinne“ war.
    Diese Steinmole war sehr lange Zeit die Basis für einen richtig tollen Sandstrand nach Westen. Gibt es Einwände dagegen?

    Und warum ist dort heute nichts mehr, es sei denn, da werden mal eben viele tausend Kubikmeter für einige Monate hingespült? Weil die Mole nicht mehr da ist. Steht ja auch in dem Gutachten, dass die verbliebenen Molenreste aufgenommen werden…
    Stattdessen ist nun ein System ersonnen und wird erprobt, welches den teuer aufgespülten Hopperbagger-Sand wenigstens länger dort verbleiben lässt. Durchlässige Holzpfahlbuhnen können zwar keinen „Sand produzieren“ (ehrlich, Leute, was für eine erbärmliche Beschreibung…), doch sollen sie die Verweildauer des Sandes durch Strömungsverminderung erhöhen. Ein Zeitraum von sage und schreibe 3 Monaten Verweildauer, also von Oktober bis Dezember 2016, ist schon sehr beeindruckend. Respekt den Planern!
    Blick vom Strandaufgang westlich von Turm 5 nach Osten. Darüber berichtete auch die LN. Der aufgespülte Sand war längst vor dem Schadensereignis 04./05. Jan. 2016 verschwunden. Ein großer Erfolg, so Herr Eggers...
    Vorstehendes Bild wurde am 05. Dezember 2016 aufgenommen, also einen ganzen Monat vor dem Hochwasser vom 04./05. Januar 2017, dem nun zur eiligen Entscheidung ein Beschluss zur vorgeblichen Sturmschadensbeseitigung nachfolgen soll.
    Natürlich kommt man nicht darum herum, alle paar Jahre „neuen Sand in das System“ zu geben. So die Experten. Deshalb ja auch das „Monitoring“ (entgegen der Ankündigungen nicht offengelegt!), um die (nur erhofften) positiven Effekte nachzuweisen…
    Einen erhofften Effekt mag es geben: Eine gerade Uferlinie, knapp entlang der Uferböschung, doch Strand oder wenigstens Strandaufbau gibt es nicht. Ein Experte sollte zudem beschreiben können, wie der vorbei verfrachtete Sand aus dem Wasser heraus dauerhaft auf ein Niveau gelangt, dass deutlich oberhalb des Normal-Wasserstandes liegt.
    Touristisch nutzbarer Strand ist Sand oberhalb des durch Kapillarwirkung feuchten Niveaus! In den Expertisen und Gutachten der hier etablierten Fachleute fehlt es dazu an jeglicher Erklärung. Muss ja auch nicht, ist ja trivial, Sand kann fliegen und klettern…
    …und ansonsten ist das „System“ ein Perpetuum-Mobile, um immerwährend Geld aus öffentlichen Kassen zu ziehen!
    Wenn es also über lange Zeit einen tauglichen Strand von Turm 5 nach Westen gab, und wir den so auch wiederhaben wollen, könnte es doch eine gute Idee sein, die Ausgangsbedingungen in Erfahrung zu bringen und zu rekonstruieren!? Was bereits über ein Jahrhundert gut war, sollte doch auch heute noch funktionieren, oder?
    Nun, die alten Steinmolen sind ja (angeblich) nicht mehr. Kein Wort davon. Vielmehr wären die vorhandenen alten Reste längst aufgenommen bzw. wurden auch noch in der bereits angelaufenen Saison zwischen den Pfahlreihen herausgepult, damit ungefährdetes Baden möglich ist.
    Haben die Verantwortlichen da nicht doch noch was übersehen? Ja, richtig, zwischen der zweiten und dritten Pfahlreihe von Turm 5 aus nach Westen gezählt liegen noch immer verstreut die Findlinge herum. Wer als Gast sich im Vertrauen auf den gepflegten Sandstrand mutig in die Fluten stürzt trifft womöglich auf ungeahnt harten Granit…
    Toller, kompetenter Service.

    So, ist es zuviel verlangt wenn für ein solches hochprofessionelles modernes Buhnen-System in dem grundlegenden Gutachten ein Wort geschrieben steht, dass sichergestellt ist, alle Voraussetzungen aus den theoretischen Modellannahmen wären nun gegeben? Also eine unverbaute Uferkante, initiale Sandeinspülung, Verminderung der Strömung […think!] und darüber Sedimentation der mitgeführten Schwebstoffe, Bildung von Unterwasser-Terrassen, und natürlich die Auswahl der geeigneten Holzarten, damit der Sand sich auch wirklich dort wohl fühlt und bleibt? (Okay, das war jetzt ironisch…)
    Also wenigstens eine saubere Felderkundung vor Ort, auch im Vorstrandbereich sollte doch für die aus Landes- und städtischen Mitteln bezahlte Maßnahme als Grundlage vorhanden sein.
    Ist dem nicht so, muss schon hier jeder Laie auf die Idee kommen können: Wenn nichts zu den bestehenden Bedingungen im Wasser geschrieben steht, könnte die Expertise unvollständig sein.

    Der –vorgebliche– Beleg für die angebliche Erfüllung aller Randbedingungen für das Testbuhnenkonzept findet sich in der von Herrn Olaf Eggers, Drucker und Buhnenberater der HVB, und dem vorherigen Bürgervorsteher, Stadtvertreter und zweimaligem Bewerber um das Bürgermeisteramt, Herrn Georg Rehse, laut Impressum verantworteten Webseite „www.holzbuhnen.de“.
    Eine erste Überschrift dieser hochgradig unwissenschaftlichen Fakenews-Webseite lautet: „Nachhaltiger Küstenschutz statt teurer Sandaufspülungen“.
    Okay, wir reden hier also nicht davon, dass schon im Laufe des Sommers von Gästen zu hören war, „am Strand müsste Heiligenhafen aber langsam mal was tun“. Kaum ein halbes Jahr nach der letzten Sandaufspülung im Oktober 2016.
    Und nun soll das schon wieder losgehen?

    Es heißt dort [http://www.holzbuhnen.de/historie.html (unten)] weiter: „Seit September 2016 stehen nun durchlässige Holzbuhnen in zwei Testbuhnenfeldern in Heiligenhafen. Seitdem hat sich der Strand in diesen Bereichen hervorragend entwickelt.“ [Zitat Eggers/Rehse, ebendort]
    Wirklich, hat der Strand sich „hervorragend entwickelt“? Wenn das der Fall ist, muss doch jetzt nicht schon wieder aufgespült werden.
    Oder einmal anders herum betrachtet: Sieht der Strand vor Ort jetzt, da sich die Buhnen so langsam an die ihnen zugedachte Aufgabe gewöhnt haben und die vorgesehene Aufgabe der „Sandproduktion“ angehen, tatsächlich besser aus, als es dort vor Herausreißen der über Jahrzehnte vernachlässigten Steinbuhnen am Schluß der Fall war?
    Dazu ein weiteres Bild vom 05.12.2015:
    Der Bereich des heutigen, westlichen Testbuhnenfeldes noch unter Einfluss der versackten und vernachlässigten alten Steinmolen. Zum Vergleich gegenüber heute.
    Sieht das heute wirklich besser aus? Grosser Erfolg? Das passt doch alles nicht zusammen.

    Und in derselben Buhnismus-Seite „holzbuhnen.de“, die sich allein auf Quellen der Heimatzeitung bezieht (alle aus der Feder des gleichen Schreibers), kommt der vor ein paar Jahren verstorbene Herr Martin Reinfeldt zu Ehren, zitiert mit dem Artikel der Heiligenhafener Post unter http://www.fehmarn24.de/heiligenhafen/buhnen-schon-frueher-diskussion-1235878.html.
    Darin wird Herr Reinfeldt zum Ende so zitiert: „Seit einigen Jahren erkannte ich, dass die Reste, der so genannten „Fischermole“ (gegenüber dem Restaurant „Muschel“), auch diese Lee-Erosion erzeugten. Dann wurden die Fragmente weggeräumt und siehe da, es landete Sand an.“ · ft [Zitatende]

    Aha!

    Und was sehen Sie auf diesem Bild, aufgenommen beim letzten Niedrigwasser am Morgen des 14.09.2017?
    Die vorgeblich nichtexistente versunkene Mole der alten Fischerrinne bei ca 80 cm unter NN

    Richtig: Die vorgeblich weggeräumten Reste der versackten Mole!

    So dürftig ist die Quellenlage und fachliche „Kompetenz“ der vorgeblichen Experten, die hier mit unser aller Geld „Experimente in der Sandkiste“ durchspielen und nicht einmal bemerkt haben, was dort im Wasser liegt! Ein wahrlich gravierender grober Fehler allein schon in der Analyse der IST-Situation, wie jeder erkennen kann.
    Im weiteren kommt dabei nicht einmal das Erfahrungswissen zum Tragen, welches ein Kleinkind beim Spielen mit Sandschaufel und Eimerchen schnell beisammen hat.
    Wäre die alte Mole der „Fischerrinne“ tatsächlich nicht mehr da, könnten wir die Promenade mit einer Stahlspundwand zu sichern versuchen…
    Diese im Wasser wie seit eh und jeh hydromechanisch wirksame Mole stabilisiert noch immer den Vorstrand bis weit nach Westen. Damit ist auch klar, dass die sieben Reihen Zahnstocher im Wasser schon von der Dimension ihres kaum eine Nachweisgrenze erreichbaren Einflusses im Vergleich zu der Mole ohne jede Bedeutung sind. Und das sind sie auch aus anderen Gründen nicht.
    Wäre es daher nicht sinnvoller und sicher kostengünstiger, statt erneut für 350.000 EUR Sand für eine fragwürdige Kurzfrist-Maßnahme wahrlich sinnlos zu verschwenden, diese Mole neu aufzusetzen? Einfach mal die vorhandenen Seebauwerke pflegen? Auch die weiteren Molen nach Westen wieder aufsetzen? Und die zarten Faschinen-Verbaue vor den Graswarder-Villen? Und dabei moderne Erkenntnisse aus dem Verbau von Flüssen nutzen, die zu einer Veränderung der Form und Ausrichtung der Steinmolen führen müssten?
    Das konstruktiv zu beschreiben führt hier jetzt wirklich zu weit.
    Das Material liegt im Wasser bereit – gebt mir einen tauglichen Bagger, ich mach‘ das dann!

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